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Amateurfunk aus Leidenschaft

Das Klischee

Digital verschickte Bestätigungen für Funkverbindungen wie z.B. eQSL finden immer größere Akzeptanz. Ungeachtet dessen sind klassische Papier-QSL aber nicht nur bei jüngeren OP´s sehr beliebt.

Wer aber heute eine eigene QSL-Karte noch als Papierkarte verwenden möchte, erstellt das in der Regel am eigenem PC und überlässt den Rest einer digitalen Druckerei, vielleicht sogar Online. Absolut bequem ist dann auch die Möglichkeit, nur noch die ADIF-Datei an einen Anbieter zu schicken. Dort werden die Verbindungsdaten dann in die QSL-Karte übertragen, gedruckt und oft auch gleich über das QSL-Büro zum Versand gebracht.

Wenn das unsere Vorfahren geahnt hätten!  Aber wie wurden denn überhaupt QSL-Karten in der Vergangenheit hergestellt?

Während der Winterferien 2022 besuchten wir mit den Enkeln eine historische Druckerei in Oederan. Sehr liebevoll wurden uns dort die alten Techniken vorgestellt.

Hier kann man dieses Druckerei virtuell besuchen

Neben verschiedenen Lettern aus zahlreichen Setzkästen zusammengesetzt, ergaben sie einen kleinen Text.

Aber es konnten auch fertige Motive auf kleinen Metallplatten, auch Klischee genannt, verwendet werden.

Ja, da war der Name „Klischee“ gefallen. Der Begriff leitet sich vom französischen cliché, was Abklatsch bedeutet.

Wie wurde so etwas hergestellt? Zunächst ein paar Informationen: Zur Klischeeherstellung werden Metall- oder Kunststoffplatten mit einer lichtempfindlichen Schicht versehen. Das zu druckende Motiv wird mittels Negativfilmes aufgelichtet. Die belichteten Schichtpartien härten, während die unbelichteten Partien wasserlöslich bleiben. Bei Metallklischees wird durch eine Ätzflüssigkeit beim anschließenden Ätzvorgang der nichtdruckende Teil durch Materialabtrag vertieft, während der belichtete und dadurch mit einer widerstandsfähigen Schicht versehene erhöht bleibt. Das Ätzmittel besteht bei Zink aus verdünnter Salpetersäure.

Damit zurück zur Geschichte, wie QSL-Karten früher gedruckt wurden.

Durch Zufall hatte ich aus dem Nachlass von Fritz Wirth (D4BMU bzw. nach dem Krieg DL8OB) ein solches QSL-Karten-Klischee in der Hand. Eine ca. 10 mm dicke Platte aus einer Leichtmetall-Legierung.

Interessant auch der Schrift­verkehr, der im Zusammen­hang mit der Herstellung des Klischees und dem Druck der QSL-Karten geführt wurde.

 Zunächst zur angeführten Quelle des Klischees – der Vorlage. Auch hier gab es im Nachlass von Fritz alle Details. Mit technischen Mitteln sichtbar gemacht das Original. Man sieht deutlich die Korrekturen. Daneben die fertige transparente Zeichnung als Vorlage für die Belichtung des Klischees.

 

Interessant auch der komplett vorhandene Schriftverkehr rund um diese QSL-Karten.

 Rechnung über die Herstellung der Strichätzung

 


Angebot über die erste Lieferung von 4.000 QSL-Karten. Weitere sollten folgen.

 

Im Nachlass fanden sich noch zahlreiche blanko-QSL-Karten als Nachdrucke in verschiedenster Ausführung, aber alle vom gleichen Klischee.


Für einen Außenstehenden  ist das Layout dieser QSL-Karte "eigenwillig".  Auch ich habe mir lange Zeit Gedanken gemacht, was Fritz mit der Anordnung dieser Buchstaben und dem Blitzsymbol ausdrücken wolte. Zunächst das Rufzeichen mit den ersten beiden Buchstaben+ Ziffer "DL8" steht für Deutschland (damals die alte BRD). Zu dieser Zeit gab es die Möglichkeit, den zweiten Teil  (Suffix) hinter der Ziffer selbst zu wählen, sofern er im Verzeichnis der Behörde noch nicht vergeben war. "OB" war lange Zeit ein gängiger Begriff aus dem englischen für "Old Boy" - also alter Junge. So titulierte man sich untereinander im Kreis der Funkamateure. 

Das diese Zeichen durch einen Blitz durcheinander gewirbelt werden, könnte ein Symbol der zahlreichen einschneidenden Ereignisse in seinem Amateurfunkleben sein, die es eben auch durcheinander gewirbelt haben.

Soweit eine philosophische Betrachtung aus meiner Sicht.

Ich hatte mich aber auch über die verschiedenen Farben der QSL-Karten gewundert. Vom einfachen gelben, über kupfer, - silber - und goldfarbenen Hintergund war alles dabei. 

Ein Blick auf die vorgedruckten Rückseiten zeigte dann aber die Perfektion von Fritz. Je nach Funkkontakt, d.h. Betriebsart wie Sprechfunk, Telegrafie, UKW-Verbindung oder die Bestätigung eines Hörerberichtes, war alles vorbereitet.

 Fritz hätte diese sicherlich noch gern verschickt.

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