Der Uhrenturm dieses einstmals großen Industriekomplexes aus dem vorigen Jahrhundert bzw. um die Jahrhundertwende war auch im gesamten Stadtteil Schloßchemnitz weithin sichtbar.
Schönherr war lange Zeit der Inbegriff für den Chemnitzer Textilmaschinenbau. Gegründet 1851 von Louis Ferdinand Schönherr gemeinsam mit Ernst Seidler als „Sächsische Webstuhlfabrik“, die ab 1854 das Gelände der Maschinenbau-Compagnie nutzte.
Ab 1857 allein im Besitz Schönherrs. Bereits 1871 wurde der 10.000ste Webstuhl gefertigt – ein Zeichen für die führende Stellung des Unternehmens im Webmaschinenbau.
Um 1914 waren über 1.600 Mitarbeitende am Standort tätig. Das über 200 Jahre industriell genutzte Gelände umfasste zeitweise bis zu ca. 100.000 m².
Am 5. März 1945 erlitt die Sächsische Webstuhlfabrik durch gezielte Bombenangriffe schwere Schäden. Nach Kriegsende ordnete die sowjetische Besatzungsmacht (SMAD) an, die gesamte noch vorhandene Einrichtung der Fabrik zu demontieren – dies war Teil der Reparationen. Bereits 1946 begann aber unter schwierigsten Bedingungen der Wiederaufbau unter der Verwaltung der Stadt Chemnitz. Ab etwa 1950 wurden wieder vollständige Webmaschinen produziert, darunter Doppelteppichwebmaschinen ähnlich dem Vorkriegsstandard.
Der Betrieb firmierte ab 1952 als VEB Webstuhlbau Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und wurde später in die VVB (Vereinigung Volkseigener Betriebe) TEXTIMA integriert.
Nach der Wiedervereinigung wurde das Objekt zum Teil privatisiert und umstrukturiert bzw. später liquidiert. Heute erinnern nur noch wenige erhaltene Gebäude und Denkmäler an die einstige Bedeutung des Unternehmens. Dazu zählt der Uhrenturm am ehemaligen Verwaltungsgebäude, dem heutigen „Haus der Ganzheitsmedizin“ im Kultur- und Gewerbepark der inzwischen entstandenen „Schönherr Kulturfabrik“.
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