Das Neue Rathaus in Chemnitz ist eines der markantesten Gebäude der Stadt und bildet zusammen mit dem Alten Rathaus das Rathaus-Ensemble am Markt. Herausragend der über 60 m hohe viereckige Turm, der aber nur Uhren-Zifferblätter an 3 Seiten hat. Drei! Ja. Ein Zifferblatt wurde eingespart. Die vierte Seite des Turms blickt auf Bereiche, von denen man die Uhr nicht oder kaum sieht. Also wurde dieses Zifferblatt schlicht weggelassen. Eine praktische Entscheidung, die sich aus cleverer Stadtplanung ergibt.
Das Neue Rathaus ist das dritte Chemnitzer Rathaus in der Geschichte der Stadt. Es wurde erforderlich, da sich durch die rasche industrielle Entwicklung der Stadt und dem damit verbundenen rasanten Bevölkerungswachstum der städtische Verwaltungsapparat vergrößerte.
Betrug die Einwohnerzahl im Jahr 1883 noch 100.000, so stieg sie 1901 auf 200.000 und im Jahr 1912 schon auf über 300.000.
Die Räumlichkeiten des als Rathaus fungierenden Stadthauses am Beckerplatz erwiesen sich als zu klein, so dass man 1907 mit dem Bau begann. Zu diesem Zeitpunkt galt Chemnitz als die bedeutendste Industriestadt und zweite Handelsmetropole in Sachsen.
Von 1907 bis 1911 war das Zentrum der Stadt eine Großbaustelle. Zahlreiche alte Bürgerhäuser am Markt und Neumarkt mussten dem Neubau weichen, darunter eine alte Lateinschule aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, von der nur das Portal erhalten blieb. Am 2. September 1911 wurde das Neue Rathaus im Beisein des sächsischen Königs eingeweiht.
Beim Bombenangriff am 5. März 1945 brannte das Alte Rathaus stark aus und auch die umliegenden Gebäude wurden schwer beschädigt. Das Neue Rathaus blieb jedoch weitgehend unversehrt und hat deshalb noch heute seine historische Gestalt.
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