Chemnitz hatte sich zu Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der bedeutendsten deutschen Industriestädte mit mehr als 300.000 Einwohnern entwickelt. In verschiedenen, unserer Diplomserie begleitenden Beiträge zur Industriekultur und Industriegeschichte der Stadt, gab es dazu schon mehrere Veröffentlichungen.
Die diesjährige Europäische Kulturhauptstadt entwickelte sich damals in wenigen Jahren zu einer Großstadt mit unzähligen Massenwohnquartieren. Mitten in diese neu entstandenen Stadtgebiete hinein wurden mehrere oft sehr repräsentative Kirchenbauten gesetzt, die diese Terrains und so auch das Stadtbild maßgeblich prägten.
Um es vorwegzunehmen: Die Lutherkirche an der Zschopauer Straße in Chemnitz besitzt die größte funktionsfähige historische und 3,2 Tonnen schwere Turmuhr der Stadt mit beleuchteten Ziffernblättern.
Das ist die Geschichte zur Kirche: 1900 wurde die Luthergemeinde gegründet, und ab 1902 folgten erste Initiativen zum Neubau einer Kirche. 1904 wurde ein Architekturwettbewerb durchgeführt, dabei entschied sich der damalige Kirchenvorstand unter den 130 eingereichten Entwürfen für Pläne des Architekten Otto Kuhlmann.
Die Kirche wurde im neoromanischen Stil errichtete und nach vierjähriger Bauzeit am 1. April 1908 eingeweiht. Sie war eines der ersten Gebäude in Chemnitz in Stahlbetonbauweise. Durch ihre Lage auf einem leicht ansteigenden Gelände ragt sie als städtebauliche Dominante weithin sichtbar aus dem Lutherviertel heraus und erhebt sich etwa 32 m über dem Marktplatz und ist mit ihrem 64 m hohen Turm eine markante städtebauliche Dominante mit Platz für rund 1.200 Besucher.
Sehenswert ist das gesamte Areal rund um die Kirche. Die Anlage des Platzes erfolgte nach dem Bau der Kirche 1908 und vor 1910 in der Amtszeit von Stadtgartendirektor Otto Werner. Der Denkmalwert der Chemnitzer Lutherkirche ergibt sich aus der stadtgeschichtlichen Bedeutung als wichtiges Zeugnis der grundlegenden Veränderungen der Stadt in Folge der raschen Industrialisierung und aus der städtebaulichen Bedeutung. Darüber hinaus besitzt sie einen hohen baukünstlerischen und baugeschichtlichen Wert und gilt als exemplarischer Kirchenbau des beginnenden 20. Jahrhunderts in Deutschland, die modernen architektonischen Auffassungen mit technischen Innovationen verbindet sowie überregionalen baugeschichtlichen Zeugniswert als einer der ersten Kirchenbauten des bedeutenden Architekten Otto Kuhlmann.
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