Fährt man vom Chemnitzer Stadtzentrum die Hartmannstraße landwärts entlang, so sieht man nach dem Passieren der Brücke über den Chemnitzfluss auf der linken Straßenseite die wieder hergerichtete Hartmann-Halle, aktuell Sitz der Kulturhauptstadt-Verwaltung. Auf der rechten Seite ein imposantes Schulgebäude mit einem Uhrturm.
Es sind eigentlich zwei historische Schulgebäude. Das vom Chemnitzer Architekten Emil Ebert entworfene Schulgebäude auf der Schloßstraße 3 wurde am 21. September 1910 seiner Bestimmung übergeben. 1912 unterrichteten 36 Lehrer bereits 700 Schüler. Ab 1915 nannte sich die Schule dann Reformrealgymnasium. Die Lehranstalt zählte zu den fortschrittlichsten dieser Zeit, da sie über moderne Unterrichtsmittel verfügte. Ein weiteres markantes Gebäude entstand 1912 von Richard Möbius an der direkt gegenüberliegenden Promenadenstraße 2 als III. Fortbildungsschule. Mit zahlreichen Unterrichtsräumen, Werkstätten und Klassen bot sie ein breites Spektrum an handwerklicher Ausbildung. Bereits damals besuchten hunderte Schüler die Schule – bis zur Umbenennung 1928 in „Handwerkerschule“.
Beide Schulen zeichneten sich durch ihre markante großstädtische Architektur und moderne Bildungskonzepte aus. Das Reformrealgymnasium war zu seiner Entstehung ein Aushängeschild für zeitgemäßen am wissenschaftlichen Fortschritt orientierten Unterricht. Die Handwerkerschule an der Promenadenstraße wurde als das erste eigenständige Berufsschulgebäude Sachsens eröffnet. Sie entstand durch das gemeinsame Engagement von Stadtverwaltung und Handwerkerverein.
1945 gingen die Schulgebäude im Bombenhagel in Flammen auf und wurde erheblich beschädigt. Ein halbes Jahr später konnte nach Notreparaturen die nun zur Oberschule Schloßstraße umbenannte Einrichtung ihren Lehrbetrieb wieder aufnehmen. Erst zu Beginn der 50er Jahre waren die Kriegsschäden vollständig beseitigt und die Fassade fast originalgetreu wieder hergestellt.
Ab 1949 begann die Ära als Berufsschule. Seit 1957 unterstand das Gebäude der Bezirksbauunion Karl-Marx-Stadt – jährlich wurden dort etwa 900 Lehrlinge in zahlreichen Bau- und Handwerksberufen ausgebildet. Nach der Kommunalisierung des Gebäudes 1990 entstand das Berufsschulzentrum für Technik. Von 2000 bis 2006 begann eine umfassende Rekonstruktion beider historischen Gebäude (Schloßstraße und Promenadenstraße) sowie die Errichtung eines verbindenden Neubaus.
Der Schulkomplex, kurz „Handwerkerschule“ genannt, steht heute für den denkmalgerechten Erhalt der alten Fassaden inklusive des schönen Uhrenturms, der eigentlich zum ehemaligen Reformgymnasium gehörte. Die offizielle Bezeichnung ist „Berufliches Schulzentrum für Technik II – Handwerkerschule“.
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