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Amateurfunk aus Leidenschaft

Der Chemnitzer Radio-Klub e.V.

Wer heutzutage Rundfunk z.B. über DAB+ im Autoradio oder seinen Lieblingssender als App auf dem Smartphone hört, wird kaum daran denken, dass dieses Medium das erste Mal vor ca. 100 Jahre die Menschen begeisterte.

Rundfunk wurde Anfang der 1920er Jahre zuerst zu einem Statussymbol. Speziell in den wohlhabenden Familien saß man abendlich gemeinsam unter Kopfhörern vor einem Empfangsgerät, um Musik „aus der Luft“ zu hören. Aber diese Empfangsgeräte waren für einen Normalverdiener vom Preis her unerschwinglich. 1924 kostete ein Radiogerät mit vier Röhren zwischen 400 und 500 Mark – ein einfacher Detektorempfänger 70 Mark. Ein gelernter Arbeiter, verheiratet, mit zwei Kinder verdiente durchschnittlich 88 Pfennige die Stunde.

Hinzu kam, dass man sich als Rundfunkhörer registrieren lassen und schon damals eine monatliche Rundfunkgebühr (2 Reichsmark pro Monat) zahlen musste.

Das „Schwarz-Hören“ und speziell der unkontrollierte Selbstbau von Empfangsgeräten waren strikt verboten bzw. nur unter Kontrolle der Reichstelegrafenverwaltung in speziellen Vereinen möglich. Der praktische Selbstbau und die Bedienung dieser Empfänger, Audion genannt, hatten nämlich auch ihre Tücken. Mit etwas Ungeschick konnten diese Gerätschaften auch elektrische Schwingungen ausstrahlen, also senden, und damit andere Empfänger oder Funkdienste stören.

Deshalb durften diese Empfänger nur in speziellen Radio- oder Funkvereinen unter Anleitung selbst gebaut, nach einer strengen Prüfung durch eine autorisierte Person schriftlich genehmigt und nach Entrichtung einer Gebühr, benutzt werden.

Deutschlandweit gab es unter der Aufsicht der damaligen Ober Post Direktionen fast in jeder Stadt einen solchen Radioverein, so auch in Chemnitz.

Diese Radio-Vereine schlossen sich am 24.Januar 1924 im sogenannten Funk-Kartell zusammen und zählten bis 1925 über 33.000 Mitglieder.

Der Chemnitzer Radio-Club e.V. wurde von Prof. Dr. Carl Bangert geleitet. Er wurde am 21.5.1920 an der Staatlichen Akademie für Technik (heute TU Chemnitz) zum Professor ernannt und u.a. mit dem Aufbau des Instituts für Fernmeldetechnik betraut.

Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen u.a. in der damaligen wöchentlichen Radiobeilage der „Chemnitzer Allgemeinen Zeitung“ und Vorträge z.B. in der Chemnitzer Volkshochschule, begründeten seinen Ruf als Spezialist, der sich engagiert um die Entwicklung des Rundfunks verdient machte.

Er war auch berechtigt die sogenannte „Audion-Versuchserlaubnis“ auszustellen.